{"id":4586,"date":"2023-01-31T20:41:00","date_gmt":"2023-01-31T19:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/olga-mos.com\/?p=4586"},"modified":"2026-02-01T11:31:22","modified_gmt":"2026-02-01T10:31:22","slug":"oskar-piegsa-2023-jornalist-fuer-elbvertiefung-von-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/olga-mos.com\/en\/oskar-piegsa-2023-jornalist-fuer-elbvertiefung-von-der-zeit\/","title":{"rendered":"Oskar Piegsa, 2023, Journalist, DIE ZEIT"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Werke der amerikanischen Kunst sind in Fabriken entstanden. Nicht, weil sie am Flie\u00dfband hergestellt wurden. Sondern weil in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Betriebe des produzierenden Gewerbes aus New York abwanderten \u2013 und gro\u00dfe, karge, oftmals auch dreckige und kaum beheizbare R\u00e4ume zur\u00fccklie\u00dfen. Niemand wusste so recht, was man damit anstellen sollte. Bis nach und nach Menschen kamen, die viel Platz brauchten und daf\u00fcr nur wenig Miete zahlen konnten. Die K\u00fcnstler.<br><br>Der junge Andy Warhol etwa zimmerte seine Brillo-Boxen Anfang der Sechzigerjahre in einer alten Hutfabrik. Robert Indiana, bekannt f\u00fcr seine \u00bbLOVE\u00ab-Skulptur (vier gestapelte Buchstaben, das \u00bbO\u00ab kippt zur Seite), arbeitete in einer fr\u00fcheren Segelmacherei. Auch Donald Judd, Franz Kline und Willem de Kooning zogen in Lofts, also in ehemalige Produktionshallen. Noch mal zehn, zwanzig Jahre sp\u00e4ter wollten pl\u00f6tzlich alle so leben wie die K\u00fcnstler in den Industrieruinen. Das Loft wurde zum Inbegriff des urbanen Schicks.<br><br>Ob es den leer stehenden Kaufh\u00e4usern von heute einmal so ergehen wird wie den leer stehenden Fabrikhallen von damals? \u00dcber das tempor\u00e4re Kulturhaus Jupiter im ehemaligen Karstadt-Sport-Geb\u00e4ude an der M\u00f6nckebergstra\u00dfe 2\u20134 <a href=\"https:\/\/newsletterversand.zeit.de\/go\/11\/FW8I-5HZKUS34-5IAUBXR1-N5X1BN5.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">haben wir schon berichtet (Z+)<\/a>. Seit Neuestem gibt es auch am anderen Ende der City ein K\u00fcnstlerhaus in einer leer stehenden Ladenfl\u00e4che, den \u00bbProjektraum Studio\u00ab in einem ehemaligen M\u00f6belhaus am Gro\u00dfen Burstah 32. Im Erdgeschoss <a href=\"https:\/\/newsletterversand.zeit.de\/go\/11\/FW8I-5HZKUS34-5IAUBXR2-H6JDXA.html?wt_zmc=nl.int.zonaudev.3653089689_430977464752.nl_ref.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">stellt die Galeristin Evelyn Drewes aus<\/a>. Das erste Obergeschoss \u00fcberl\u00e4sst sie sechs jungen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern als Atelierfl\u00e4che.<br><br>Eine von ihnen ist Olga Mo\u0219. \u00bbF\u00fcr mich ist es gro\u00dfartig, dass ich hier arbeiten kann!\u00ab, sagt sie. Mo\u0219 malt Bilder mit flie\u00dfenden Gesten und in leuchtenden Farben. Sie bezeichnet ihre Motive als \u00bbLandschaften\u00ab, die aber \u00fcberhaupt nicht so aussehen, wie Caspar David Friedrich und die anderen Meister in der Hamburger Kunsthalle sie malten. Mo\u0219 zeigt Landschaften in Bewegung. Berge, Wolken und Horizonte, wie sie drau\u00dfen vor dem Fenster eines Autos oder ICEs vorbeifliegen. Konkrete Formen, die sich ins Abstrakte aufl\u00f6sen.<br><br>Olga Mo\u0219 erz\u00e4hlt, sie sei aus Berlin nach Hamburg gekommen, weil sie bei Jorinde Voigt an der Hochschule f\u00fcr bildende K\u00fcnste studieren wollte. Ihre Abschlussarbeit malte sie auf 24 einzelnen 100 x 70 Zentimeter gro\u00dfen Leinw\u00e4nden, die sie sp\u00e4ter nebeneinanderh\u00e4ngte. Auch deshalb, weil in den gemeinschaftlich genutzten Ateliers der Kunsthochschule f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Formate kein Platz gewesen sei. \u00bbWenn man das Bed\u00fcrfnis hat, etwas Gro\u00dfes herzustellen, dann sollte man es machen\u00ab, sagt Mo\u0219. Hier, im leeren M\u00f6belhaus, ist Platz genug, insgesamt 1650 Quadratmeter. Nun arbeitet Olga Mo\u0219 an einem Bild, das die Ma\u00dfe einer kleinen Kinoleinwand hat: 2,2 x 4 Meter.<br><br>Gegen\u00fcber hat sich Robert Vellekoop eingerichtet. Wobei, was hei\u00dft \u00bbgegen\u00fcber\u00ab, am anderen Ende der Etage! Auch Vellekoop malt, aber deutlich gegenst\u00e4ndlicher. In seinen Gem\u00e4lden tauchen Silhouetten von St\u00fchlen, Schreibtischen und Topfpflanzen auf, das sieht ziemlich gespenstisch aus. Vielleicht malt Vellekoop die B\u00fcros, denen er als K\u00fcnstler entkommen ist. Allerdings um den Preis eines recht nomadischen Arbeitslebens: Seit seinem Studienabschluss 2016 sei dies sein viertes Atelier, erz\u00e4hlt er. Ein typisches Problem in Hamburg. Haben K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler endlich einen Raum gefunden, <a href=\"https:\/\/newsletterversand.zeit.de\/go\/11\/FW8I-5HZKUS34-5IAUBXR3-MFEPCM.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">m\u00fcssen sie bald schon wieder raus<\/a>.<br><br>Auch der \u00bbProjektraum Studio\u00ab ist nicht f\u00fcr immer, sondern eine Zwischennutzung bis Ende des Jahres, sagt die Galeristin Evelyn Drewes. Sie und die beteiligten K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler gew\u00e4hren hier seltene Einblicke in den Entstehungsprozess von Gem\u00e4lden. Immer mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr kann man durch die offenen T\u00fcren in die Galerie schlendern, sich unten die Ausstellungsr\u00e4ume anschauen \u2013 und dann die Treppe in den ersten Stock nehmen und die Ateliers besuchen, das Allerheiligste der Kunst.<br><br>\u00bbDas ist hier nicht die komplett authentische Ateliersituation\u00ab, sagt Robert Vellekoop. Er arbeite gerade an mehreren Bildern, von denen er teils noch nicht wisse, ob er sie der \u00d6ffentlichkeit zeigen wolle. Zu den \u00d6ffnungszeiten des \u00bbProjektraum Studio\u00ab lehnen einige Leinw\u00e4nde deshalb mit der Vorderseite zur Wand. Auch Tuben, Pinsel und anderes Zeug, das normalerweise auf dem Boden herumliege, habe er wegger\u00e4umt, damit niemand stolpert. \u00bbWenn man G\u00e4ste in seine Wohnung einl\u00e4dt, r\u00e4umt man ja auch vorher auf\u00ab, sagt Vellekoop.<br><br>Olga Mo\u0219 pr\u00e4sentiert ihre Arbeit ungesch\u00fctzter. Sie arbeite gerade fast ausschlie\u00dflich an dem rund neun Quadratmeter gro\u00dfen Gem\u00e4lde, sagt sie. Das kann sie nicht jedes Mal auf- und abh\u00e4ngen, wenn Besucher kommen, also pr\u00e4sentiert sie es im unfertigen Zustand. Im August habe sie mit dem Gem\u00e4lde angefangen, bis Ende September wolle sie damit fertig werden. Wer in den kommenden Wochen mehrmals vorbeikommt, kann dem Kunstwerk beim Entstehen zusehen.<br><br><strong>Oskar Piegsa<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Werke der amerikanischen Kunst sind in Fabriken entstanden. Nicht, weil sie am Flie\u00dfband hergestellt wurden. Sondern weil in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Betriebe des produzierenden Gewerbes aus New York abwanderten \u2013 und gro\u00dfe, karge, oftmals auch dreckige und kaum beheizbare R\u00e4ume zur\u00fccklie\u00dfen. Niemand wusste so recht, was man damit anstellen sollte. 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