Texte

Identität / Quadrat

Was passiert mit meiner Identität, welche Struktur, Beschaffenheit hat sie im Verhältnis zur äußeren Welt, zu meinen Mitmenschen? Wie prägt meine Kultur meine Wahrnehmung und erschafft aus meinem Inneren ein Äußeres? Die Erkenntnisse die ich durch meine Arbeit gewinne, zeigen sich als momentane Eroberungen. Es ergeben sich Beständigkeiten, die ein Meer – ein Weltmeer der Unbeständigkeit – eröffnen. Das Menschliche als eigene Materie, als Ursprung interessiert mich. In dieser werden Eigenheiten deutlich, versachlicht, veranschaulicht in Teile und Stücke.

Die Beständigkeit der Unbeständigkeit, als Verflechtung von Innerem und Äußerem, in der das Wesentliche zum Vorschein kommt – ein Band zwischen den Widersprüchen. Es beruht auf der gegenseitigen Abhängigkeit. Das Gleiche wird zum Ungleichen – das Ungleiche zum Gleichen. Eine Dynamik – ein Strom, eine Bewegung. Es werden Spannungen erzeugt, die ein geladenes Feld verdichten, zu Einheiten werden, erneut in Vielheiten zerfallen, dennoch verbunden bleiben.

Die sinnliche Wahrnehmung, als von den Sinnen gelieferte Gewissheit, erweist sich als unzureichendes Fundament. Die Unnachgiebigkeit der sinnlichen Welt besteht neben der ständigen Bewegung der Wahrnehmung. Dabei entstehen Linien, die sich wie ein Geäst zwischen Knotenpunkten bilden. In der Begegnung von Innerem und Äußerem berühren sich zwei Seiten. An der Schnittstelle entsteht ein Selbstbewusstsein, was zu weiteren Erkenntnissen führt. Dabei wird meine Identität in Bewegung gebracht, gefestigt, erneut gelöst.

Landschaft/ Landschaft

Die Horizontale trennt das Feste vom Luftigem, Schweres von Leichtem. Ein klarer Schnitt zwischen Himmel und Erde. Eine langgezogene Linie. In der Bewegung liegt die Welt. Als Kind beobachtete gerne die Wolken. Ständig verändernde Formen – wie ganze Landschaften.

Natur ist eine Tatsache – für sich stehend – autonom. Die Natur steht der Kultur des Menschen gegenüber. Sie hat ökologische und ökonomische Funktion. Ebenso hat sie ästhetische und symbolische Funktion und ist somit Ursprung und Materie von Kultur. Eine weltlich greifbare Wirklichkeit, die in das eigene Innere verschleppt wird. Ihren Ursprung in dem Außen der Welt hatte.

______________________________________________Grenzen/Bildgrenzen_______________________________________________________

Statik und Wandel

Welche Funktion und Bedeutung hat eine Grenze? Welche Rolle spielt unsere kulturelle Prägung bei der Wahrnehmung? Wie kann Wahrnehmung als geistiger Prozess vom rein sinnlichen Vorgang abgegrenzt werden? Diese Fragen beschäftigen mich in meiner bildnerischen Arbeit und führen zu philosophischen Überlegungen über Malerei.

Im Allgemeinen sind Grenzen definierte oder gedachte Linien, die eine Unterscheidung ermöglichen. Sie ordnen, geben Klarheit und Stabilität. Grenzen schaffen Verhältnisse. Durch Unterscheidung und Verkleinerung ermöglicht eine Grenze die Fokussierung. Wer unterscheidet, der nimmt wahr. Grenzen setzen und wahrnehmen schafft Bewusstsein. Es gibt zwei Seiten. Grenzen sind nicht absolut, sondern konstruiert. Eine Grenze provoziert immer auch die Frage nach der anderen Seite. Grenzen als Definition von Fläche und Raum können überarbeitet werden

Grenzen definieren – Grenzen überschreiten und neu aushandeln – Beides verstehe ich als Ausdruck von Freiheit und Teil von Entwicklung. Somit stellen Grenzen im Grunde genommen keine Behinderung dar, sondern einen Zuwachs an Freiheit. Dennoch wollen Grenzen anerkannt werden und können die Sehnsucht nach der anderen Seite und dem Übertreten einer Grenze bewirken. Freiheit ergibt sich aus Spannung und Ambivalenz.

Die Bildfläche ist durch innere und äußere Grenzen definiert. „Bildgrenzen“ dienen der Abgrenzung von der Umgebung, der Strukturierung und Kontrastierung. Bei der subjektiven Wahrnehmung sind ebenso innere Grenzen notwendig. Die Fähigkeit unterscheiden und definieren zu können ist eine Grundvoraussetzung des Wahrnehmens. Grenzen im Allgemeinen sowie Bildgrenzen sind nicht nur eine künstlerische Beschäftigung mit Farbe auf Träger, sondern Teil unserer inneren und äußeren Realität. Grenzen sind Voraussetzung des Wahrnehmens.