Landschaften des Selbst, die wie von selbst entstehen

Urszula Usakowska-Wolff, 2025

Olga Moş ist eine Künstlerin, der es gelingt, dem altehrwürdigen Genre der Landschaftsmalerei neuen Glanz und Ausdruck zu verleihen. Ihre harmonischen, energiegeladenen und zugleich meditativen pastellfarbenen Bilder mit vielen weißen Flächen scheinen sich von den Wänden zu lösen und in der Luft zu schweben. Ihre Ausstellungen gleichen In-situ-Installationen, in denen sie Architektur, Interieurs, den Genius Loci und das Publikum miteinbezieht. Die Betrachtenden gehen an ihren horizontalen Gemälden entlang und haben den Eindruck, sie sowohl aus der Vogelperspektive als auch durch die Front- oder Seitenscheibe eines Autos zu sehen. Ihre Schatten verschaffen den Landschaften eine verblüffende Plastizität und Dynamik. Die farbigen Flecken, Tupfer und Linien verwandeln sich beim Besichtigen Step by Step in Reliefs.

Olga Moş entwickelt ihre Landschaftsbilder in einem langwierigen Prozess, an dessen Anfang die Wahl des Formats, der Farbe, der Bewegungsart und des Materials, also der Bildträger und der Malutensilien steht. Der Malvorgang ist ein performativer, körperlicher, spontaner und intuitiver Akt, der an die Action Painting erinnert. Die Künstlerin benutzt keine Skizzen oder Entwürfe, sie verzichtet bewusst auf Staffeleien. Die auf dem Boden liegenden weißen Leinwände oder Segeltuchbahnen begießt sie mit Farben, die stark mit Wasser verdünnt werden und durch die sich Linien schlängeln.

Fast ohne ihr Zutun entstehen somit temporäre, zufällige Landschaftsgebilde, die in der ersten Phase das Werk der dinglichen Welt sind und die durch minimale Interventionen der Künstlerin, das heißt: durch ihre Bewegung zustande kommen. Nach dem Trocknen übernimmt dann Olga Moş die Kontrolle und bringt sie in die von ihr angestrebte Form. Sie transformiert die wie von selbst entstandenen Malereien so, dass sich darin ihr Selbst, ihre bewussten und unbewussten Fantasien, Spuren ihrer Erinnerungen, Träume und ihre Umgebung spiegeln.

Olga Moş ist eine visuelle Poetin, ihre Kunst lässt an Écriture automatique denken. Das Eintauchen in das Universum dieser Malerin und ihre einzigartige Bildsprache führt zur Erkenntnis: Alles ist im Fluss und kann weder dargestellt, noch geplant oder erzwungen werden, weil es sich vor unseren Augen und in unserem Inneren stets ereignet.